Ellwangen LEA 30.04.2020

UNSERE FRAGEN UND BEDENKEN English

Aufgrund der schäbigen Art und Weise, wie Sie mit dem jüngsten Corona-Ausbruch in der Unterkunft umgegangen sind, sehen wir uns gezwungen, einige Fragen und Bedenken in Bezug auf unsere Sicherheit, unsere Fürsorge und unser allgemeines Wohlergehen aufzuwerfen.

1. Gab es einen bewussten Plan, uns alle anzustecken?

Im Gegensatz zu Ihrer Presseerklärung, in der Sie behaupteten, Sie hätten seit dem Ausbruch alle neuen Bewohner*innen in Quarantäne gebracht, zeigen die Akten, dass Sie erst im April mit der Anwendung dieser Richtlinien begonnen haben -also lange nachdem das Virus in der Unterkunft gemeldet wurde. Den Akten ist außerdem zu entnehmen, dass Sie zwischen Februar und März bereits von einem in Heidelberg gemeldeten Fall wussten. Dennoch setzten Sie die koordinierte Verteilung von dortigen Flüchtlingen in unsere Unterkunft fort. Über zweihundert Personen wurden innerhalb von zwei Wochen bei uns untergebracht, ein neuer Rekord. Sie brachten diese Neuankömmlinge in denselben Räumen und Gebäuden mit uns unter, bis dort schließlich die erste Infektion eintrat. Wir fragen uns warum?

2. Warum dürfen wir keinen zweiten Test machen?

Wir verstehen zwar, dass Kosten mit der Durchführung dieser Tests verbunden sind, aber die Besonderheit unseres Falls macht einen zweiten Test erforderlich. Der erste Test hat über vierhundert positive Fälle bestätigt, ob zu Recht oder zu Unrecht sei dahin gestellt.. Finden Sie es nicht verwunderlich, dass fast alle dieser angeblich positiven Fälle drei Wochen oder länger nach dem Test gesund geblieben sind? Außer natürlich, es bestünde die Absicht, die Ausbreitung absichtlich voran zu treiben oder aus Ihnen bekannten Gründen einfach alle als positiv zu kennzeichnen. Haben sich die Menschen nach einem erneuten Test, zwei Wochen nach der Infektion an anderen Orten, nicht von dem Virus erholt? Warum werden wir nicht auf die gleiche Weise behandelt und bekommen die Gelegenheit für einen weiteren Test? Warum sind Sie stattdessen mehr daran interessiert, die wenigen, die negativ ausgefallen sind, erneut zu testen, was uns zwingt, die Frage in Absatz 1 oben zu wiederholen?

3. Was ist mit nserer Freizügigkeit?

Nach dem Ausbruch vonC ovid19 konnten wir nachvollziehen, dass Maßnahmen ergriffen werden mussten, um die Freizügigkeit einzuschränken und eine soziale Distanzierung so weit wie möglich zu erreichen. Wir sind uns auch bewusst, dass diejenigen, die positiv getestet wurden, gesetzlich verpflichtet sind, direkt in eine isolierte Quarantäne zu gehen, und zwar für einen vorgegebenen Zeitraum von 10 bis 14 Tagen, nach dessen Ablauf ihr sich abzeichnender Status darüber entscheidet, ob die Quarantäne fortgesetzt wird oder nicht. Seltsamerweise wurden wir jedoch alle einer unbefristeten Quarantäne unterworfen (sowohl positive als auch negative Personen): die gesamte Unterkunft ist nun seit fast einem Monat verschlossen und es gibt keine Anzeichen dafür dass es in absehbarer Zeit wieder geöffnet wird. Wir sind sehr besorgt über diese fortwährende Abriegelung. Viele von uns sind gesund und niemand hat irgendwelche Symptome gezeigt, die vermuten lassen, dass sie andere in Gefahr bringen könnten. Sie können wohl nicht nachvollziehen, wie sehr uns dieser Umgang psychologisch und emotional traumatisiert.

4. Unsere Vorschläge

In Anbetracht der voranstehenden Ausführungen möchten wir die folgenden Vorschläge unterbreiten:

  • Um Befürchtungen auszuräumen und folglich die vollständige Einhaltung aller festgelegten Richtlinien zur Eindämmung und Eindämmung der Ausbreitung des Virus zu gewährleisten, müssen Sie dringend einen zweiten Test durchführen, um festzustellen, ob sich die Betroffenen vollständig erholt haben, und ob es tatsächlich mehr Fälle im Lager gibt.

  • Sobald Ihnen genaue Daten über den bestehenden Status innerhalb des Lagers vorliegen, schlagen wir vor, dass Sie diejenigen, die möglicherweise noch positiv sind, vollständig von denjenigen trennen, die negativ sind, wie in den Eindämmungsrichtlinien der WHO für Covid 19 ausdrücklich dargelegt. Ihre gegenwärtige Regelung, wonach wir alle in dderlben geschlossenen Einrichtung verbleiben, ist ein gefährliches Vergehen und sollte nicht fortgesetzt werden dürfen.

  • Wenn Sie aus logistischen Gründen nicht in der Lage sind, alle negativen Patienten auf einmal zu verlegen oder umzusiedeln, können Sie ihnen zumindest den Zugang zum Tor gestatten, natürlich unter strikter Einhaltung der bestehenden Richtlinien. Dies sollte keine Herausforderung für Ihr Sicherheitspersonal am Tor darstellen, da das System den Status aller Personen anzeigt, die sich dem Tor nähern.

Wir möchten auch darüber unseren Unmut über das Verhalten des RP Stuttgart und der Lagerleitung zum Ausdruck bringen, dass diese eine Ausgangssperre der LEA erzwungen haben, ohne unseren Bedarf an einigen Grundbedürfnissen (von Lebensmittel, etc.) zu berücksichtigen, die in der LEA nicht vorhanden sind. Dieses Verhalten hat insbesondere für die schwangeren Frauen, Mütter und ihre Kinder in der LEA zur Unterernährung geführt. Wir bitten an dieser Stelle Herr Weiss (den Leiter der LEA), von nun an einen Dauerauftrag zu erteilen, dass Lebensmittel und andere Grundbedürfnisse von Freunden und Freundinnen erlaubt werden, da wir die schlechte Ernährungssituation nicht mehr bewältigen können.

Wir äußern diese schwerwiegenden Bedenken und Vorschläge in der Hoffnung, dass Sie der Sache rascher Aufmerksamkeit schenken, um einem Zusammenbruch von Recht und Ordnung vorzubeugen, der derzeit im Lager droht und auf welche die Frustration der Bewohner zurückzuführen ist, die durch Ihren vermeintlich unsachgemäßen Umgang mit dieser äußerst unglücklichen Situation hervorgerufen wird. Livestream

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2 Responses to Ellwangen LEA 30.04.2020

  1. Pingback: Ellwangen LEA 30.04.2020 – Leaked Protest plan forces spontaneous transfer of 40 Camp inhabitants. | Network Refugees4Refugees

  2. Pingback: Eingesperrt mit Covid19 – Statement von den Gelfüchteten der LEA Ellwangen – iL Stuttgart

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